Es war die große Albtraum-Nachricht für viele Einzelhändler rund um die Wellingsbütteler Landstraße. Fünf lange Jahre lang sollte diese wichtige Verkehrsverbindung zwischen Alstertal und dem Ohlsdorfer Friedhof voll gesperrt werden. Aus Protest starteten sie eine Petition – mit Erfolg! Die Stadt will die Baupläne überarbeiten. Bei einer Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche wurden jetzt drei mögliche Verkehrsführungen präsentiert.

Dass die vielbefahrene Straße saniert werden muss, daran führt laut Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) kein Weg vorbei. Faktisch handelt es sich um eine Grunderneuerung: Einmal aufgerissen wird nicht nur der Asphalt vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) erneuert, auch die Gas-, Trinkwasser-, Abwasser- und Stromleitungen müssen ausgetauscht werden.

Vollsperrung Wellingsbütteler Landstraße vorerst gestoppt
Bei der ursprünglich angedachten fünfjährigen Vollsperrung sahen die ansässigen Händler in Klein-Borstel allerdings ihre Existenz bedroht. Schließlich handelt es sich dort um eine Insellage, die ohne die Wellingsbütteler Landstraße nur mit großen Umwegen durch Wohngebiete erreichbar ist.

„Die Kundschaft geht verloren, weil sie hier nicht mehr vorbeifahren können“, sagte Birgit Vollstädt Ende des vergangenen Jahres der MOPO. Als mögliche Lösung schlugen die Geschäftsleute zum Beispiel eine Einbahnstraße vor.

Dieser Vorschlag findet sich tatsächlich in zwei der drei möglichen Konzepte wieder. Bei der ersten Variante könnten alle die Straße während der gesamten Bauzeit weiterhin in eine Richtung benutzen. Der Gegenverkehr wird umgeleitet. In Variante 2 wäre die Einbahnstraße hingegen nur zeitweise geöffnet – und zwar dann, wenn nicht so viel Verkehr unterwegs ist. Während den Pendlerzeiten würde die vier Kilometer lange Straße dann komplett gesperrt und müsste großräumig umfahren werden.

Wellingsbütteler Landstraße: Drei mögliche Varianten
Variante 3 sieht wiederum eine komplette Sperrung der Straße für den Durchgangsverkehr vor, dieser soll großräumig umgeleitet werden. Im Gegensatz zum Ursprungsplan gibt es aber zusätzlich noch eine kleinräumige Umleitung, die unter anderem von Lieferverkehr und Taxis genutzt werden kann. Anwohner würden bei allen drei Szenarien mithilfe von Chipkarten über den Ohlsdorfer Friedhof umgeleitet.

Welche Variante dann tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, ist noch unklar. Dazu kommt: Die Bauarbeiten der neuen U-Bahn-Linie U5 könnten den gesamten Plänen für die Wellingsbütteler Landstraße noch einen Strich durch die Rechnung machen. Sollte ein Gutachten ergeben, dass die verkehrlichen Einschränkungen in Klein Borstel parallel zu denen der U5 in der City Nord zu groß sind, wird das Projekt auf 2031 verschoben.

Für die 20.000 Autos, die die Wellingsbütteler Landstraße täglich nutzen und die ansässigen Händler wäre das natürlich eine gute Nachricht. Allerdings: Je länger die Sanierung herausgeschoben wird, desto höher steigt laut Hamburg Wasser die Gefahr von Rohrbrüchen. Immerhin seien viele der Siele bereits um die 100 Jahre alt.

Quelle: Mopo vom 7.6.22

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