Die geplante Umgestaltung der Stübeheide in Klein Borstel zur Fahrradstraße sorgt weiter für Diskussionen. SPD, CDU und FDP in Hamburg-Nord haben gemeinsam Vorschläge vorgelegt, mit denen die bisherigen Planungen verändert werden sollen. Im Mittelpunkt stehen die Verkehrssicherheit, bessere Bedingungen für den Radverkehr und zugleich der Erhalt der Erreichbarkeit des Quartiers und seiner Geschäfte.
Die Debatte fällt in eine für Klein Borstel ohnehin belastende Zeit. Seit mehr als zwei Jahren beeinträchtigen die Bauarbeiten an der Wellingsbütteler Landstraße Anwohner und Gewerbetreibende. Nach deren Abschluss soll die Stübeheide auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern zur Fahrradstraße umgebaut werden.
Nach dem derzeitigen Planungsstand könnten dabei 88 der insgesamt 226 vorhandenen Parkplätze entfallen. Im Abschnitt zwischen Kornweg und Tornberg wären elf Stellplätze betroffen. Gerade dieser Bereich ist für Klein Borstel von Bedeutung, weil sich hier zahlreiche Geschäfte befinden und das sogenannte „Einkaufsdorf“ den Mittelpunkt des Quartiers bildet.
Gegen einzelne Bestandteile der bisherigen Planung gibt es deshalb Widerstand. Die Bezirkspolitikerinnen Martina Schenkewitz von der SPD, Martina Lütjens von der CDU und Monika Grodt-Kuhn von der FDP haben sich zusammengeschlossen und einen gemeinsamen Antrag erarbeitet. Dieser soll am 28. September im Regionalausschuss beraten werden. Nach Auffassung der drei Politikerinnen könnten ihre Alternativen mit geringeren Eingriffen in die vorhandene Infrastruktur umgesetzt werden und zugleich kostengünstiger sowie für die Menschen vor Ort verträglicher sein.
Das sind die konkreten Vorschläge
Der gemeinsame Antrag enthält eine ganze Reihe von Änderungen und Prüfaufträgen: Hamburger Fahrradstraße „light“…
- Autoverkehr weiterhin ermöglichen: Die Stübeheide soll zwar Fahrradstraße werden, durch das Zusatzzeichen „Kfz frei“ aber weiterhin von Kraftfahrzeugen befahren werden dürfen.
- Überholverbot statt breiterer Fahrbahn: Auf eine Verbreiterung der Fahrbahn soll möglichst verzichtet werden. Stattdessen schlagen die Parteien ein Verbot des Überholens von Fahrrädern und Motorrädern vor.
- Parksituation übersichtlicher gestalten: Zwischen der Wellingsbütteler Landstraße und dem Kreisverkehr Sodenkamp/Schluchtweg sollen Parkstände eindeutig markiert und Grundstückseinfahrten besser erkennbar gemacht werden. Dadurch sollen gefährliche und unübersichtliche Situationen für Radfahrer reduziert werden.
- Container an ihren bisherigen Standorten belassen: Die Glas- und Papiercontainer an der Stübeheide 168 sowie an der Albert-Schweitzer-Schule sollen nicht verlegt werden. Damit soll verhindert werden, dass an vorgesehenen Ersatzstandorten weitere Parkplätze verschwinden.
- Lehrerparkplatz nachmittags öffnen: Statt Parkplätze im Bereich der Albert-Schweitzer-Schule zu beseitigen, um einen Rückstau bis zum Kreisverkehr zu verhindern, soll geprüft beziehungsweise ermöglicht werden, den Lehrerparkplatz ab 16 Uhr für eine weitere Nutzung zu öffnen.
- Geh- und Radwege sanieren: Zwischen der Albert-Schweitzer-Schule und dem Tornberg sollen Geh- und Radwege saniert und barrierefrei gestaltet werden. Damit sollen unter anderem Kinder, die aufgrund ihres Alters noch auf dem Gehweg Rad fahren dürfen, dort bessere Bedingungen erhalten.
- E-Ladesäulen außerhalb der Stübeheide: Öffentliche Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge im Bereich des Einkaufsdorfs sollen nach dem Vorschlag außerhalb der Stübeheide entstehen. Auf diese Weise sollen für Ladesäulen keine weiteren Stellplätze in der Einkaufsstraße entfallen.
- Ladezone am Tornberg prüfen: Für den Tornberg zwischen Stübeheide und S-Bahn-Station Kornweg soll die Einrichtung einer Ladezone untersucht werden. Der Tornberg gehört zwar nicht zum eigentlichen Planungsgebiet, könnte nach Vorstellung der Antragstellerinnen aber in das Verkehrskonzept einbezogen werden.
- Schwerlastverkehr zeitlich beschränken: Für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 7,5 Tonnen soll eine zeitlich begrenzte Durchfahrtsbeschränkung in der Stübeheide geprüft werden. Gleichzeitig soll gewährleistet werden, dass notwendige Lieferungen für die örtlichen Geschäfte weiterhin möglich sind.
- Zusätzliche Querungshilfen untersuchen: Vor Kirche, Kindertagesstätte und Gemeindehaus soll geprüft werden, ob bauliche Fahrbahnverengungen als Querungshilfen erforderlich und mit Verkehrsfluss und Verkehrssicherheit vereinbar sind.
Fahrradverkehr stärken, ohne das Einkaufsdorf abzuschneiden
Hinter dem Antrag steht der Ansatz, unterschiedliche Verkehrsinteressen miteinander zu verbinden. Die Befürworterinnen der Änderungen wollen sichere Schulwege und bessere Bedingungen für Radfahrer schaffen. Gleichzeitig sollen Geschäfte erreichbar bleiben und die Belange von Anwohnern, Gewerbetreibenden, Handwerksbetrieben und Pflegediensten berücksichtigt werden.
Damit richtet sich der gemeinsame Antrag nicht grundsätzlich gegen die geplante Fahrradstraße. Vielmehr geht es um deren konkrete Ausgestaltung. Die Stübeheide soll für den Radverkehr sicherer werden, ohne dass dafür nach Ansicht von SPD, CDU und FDP mehr Parkplätze und bestehende Infrastruktur aufgegeben werden als notwendig.
Ob und in welchem Umfang die Vorschläge Eingang in die weitere Planung finden, ist noch offen. Der Antrag soll am 28. September im Regionalausschuss diskutiert werden. Die derzeitigen Umbauplanungen befinden sich ebenfalls noch in der Abstimmung.
