Die nachfolgende Veröffentlichung stellt eine persönliche Meinungsäußerung von Martin Hageleit dar. Der Betreiber dieser Seite macht sich die Inhalte weder zu eigen noch gibt die Veröffentlichung die eigene Auffassung wieder. Für Inhalt und Bewertung ist ausschließlich der Verfasser verantwortlich. Die Veröffentlichung erfolgt im Rahmen der Meinungsvielfalt und dient der öffentlichen Diskussion.
Stellungnahme zum Thema „Fahrradstraße Stübeheide“ in der Sitzung des Regionalausschusses vom 27.04.2026
Der Bericht auf der Internetseite „klein-borstel.de” enthält die Aussage, dass überwiegend nur negative Beiträge zum Umbau der Straße „Stübeheide“ vorgebracht worden sind und der Umbau die aktuelle Verkehrssituation eher verschlechtere. Dem möchte ich entschieden widersprechen und dies anhand eigener Erfahrungen als Bürger Klein Borstels seit 2009 begründen.
- Die Verkehrssituation in der Straße „Stübeheide“ hat sich seit 2009 zunehmend verschlechtert und ist aktuell vollkommen ungenügend. Dies gilt sowohl für Auto- als auch für Fahrradfahrer. Daher meide ich seit Jahren zunehmend die Straße „Stübeheide“ und fahre aus dem südlichen Bereich des Neubaugebiets lieber die etwas längere Strecke durch den Sodenkamp, um in die Geschäftsstraße am S-Bahnhof Kornweg zu gelangen. Warum ich die Straße meist meide, möchte ich an zwei Begebenheiten aus der letzten Zeit erläutern: Als Fahrradfahrer fuhr ich am Samstag, den 18.04.2026 gegen 8:45 Uhr ausnahmsweise vom Kreisverkehr (Sodenkamp, Stübeheide, Schluchtweg) in die Stübeheide in östlicher Richtung ein, da ich hoffte, dass um diese Zeit noch keine Autos unterwegs seien. Dies war auch bis zum Ende der Albert-Schweitzer-Schule so. Da auf der Südseite der Straße alle Parkmöglichkeiten ausgenutzt waren, konnte ich trotzdem auf der Gegenspur problemlos durch die Straße fahren. Als ich mich auf Höhe der Straße Stübekamp (1. Einmündung) befand – in diesem Bereich parken die Autos auf der von mir links liegenden Gegenspur –, bog ein Auto (größerer SUV) vom Kornweg mir entgegenkommend in die Stübeheide ein. Da die eigene Fahrspur komplett zugeparkt war, bewegte sich das Fahrzeug auf meiner Spur mir entgegen. Etwas überrascht stellte ich fest, dass das Fahrzeug keine der beiden freien Grundstückseinfahrten und auch nicht die freie 2. Einmündung des Stübekamp nutzte, um für mich Platz zu machen. Stattdessen reduzierte das Fahrzeug nur kurz seine Geschwindigkeit und ich musste mich an diesem Fahrzeug vorbeiquetschen. Ich weiß nicht, ob man dieses Fahrverhalten der Autofahrerin juristisch schon als Nötigung betrachten kann, da mir auf meiner Fahrspur kein nötiger Sicherheitsabstand gewährt wurde. Auf jeden Fall ist dies aber eine für Radfahrerinnen gefährliche Verkehrssituation. Und leider ist dieses Erlebnis keine Ausnahme, sondern die Regel, wenn man als Radfahrerin auf der Stübeheide unterwegs ist.
- Aber nicht nur für Radfahrerinnen ist die aktuelle Verkehrssituation gefährlich: Als Autofahrer fahre ich ebenfalls ab und an die gleiche Strecke. Vom Kreisverkehr gelange ich regelmäßig problemlos bis zu den Müllcontainern (ca. 20m), muss dann aber an der langen Kolonne der rechts parkenden Autos vorbei spähen, ob kein Gegenverkehr kommt. Dies ist nicht einfach, da durch die parkenden Autos und das leichte Verschwenken der Straße hinter dem Zebrastreifen die Stübeheide nicht komplett durchblickt werden kann, was auch daran liegt, dass die parkenden Autos ab kurz hinter dem Zebrastreifen nicht mehr links, sondern rechts parken. Selbst wenn man auf der Höhe der Müllcontainer kein entgegenkommendes Auto sieht, kann es passieren, dass plötzlich eines erscheint und man den Rückwärtsgang einlegen muss. In früheren Jahren, als die Stübeheide noch nicht komplett zugeparkt war, gab es dieses Problem nicht. Ist man am Zebrastreifen vorbeigekommen, stehen die parkenden Autos wie gesagt auf der linken Straßenseite, so dass der entgegenkommende Verkehr auszuweichen hat. Leider geschieht selbst dies zwischen Autofahrerinnen nicht immer. Kürzlich erlebte ich, als ich die 1. Einmündung zum Stübekamp passiert hatte, dass ein Auto vom Kornweg in den Stübekamp einbog und wiederholt mit der Lichthupe blinkte. Mir war nicht ganz klar, was da los war. So hielt ich auf Höhe der 2. Einmündung in den Stübekamp an und konnte dabei beobachten, wie das mir entgegenkommende Auto (kleiner SUV) auf meiner Spur an den beiden freien Grundstückseinfahrten mit zunehmendem Tempo vorbeirauschte, anstatt in einer der zwei freien Grundstückseinfahrten auszuweichen und erst kurz vor mir das Tempo reduzierte und so anhielt, dass ich nicht weiterfahren konnte. Durch die geöffneten Fensterscheiben durfte ich mir dann den Vorwurf anhören, mein Fahrverhalten wäre nicht rücksichtsvoll. Deutlich irritiert stellte ich die Forderung, die Straßenverkehrsregeln zu lernen.
- Das Nichteinhalten der geltenden Verkehrsregeln führt tagtäglich zu gefährlichen Situationen. Die geltenden Bestimmungen zum Abstandhalten von Autofahrerinnen gegenüber Fahrradfahrerinnen werden fast immer nicht mehr eingehalten. Das letzte Beispiel zeigt deutlich, welche Rambo-Manier sich in der Stübeheide als normales Fahrverhalten von Autofahrerinnen durchgesetzt zu haben scheint. Lichthupensignale scheinen ein etabliertes Zeichen der Anwohnerinnen zu sein, um mitzuteilen, dass man die Gegenfahrbahn besetze. Dabei werden geltende Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt. Das beschriebene Besetzen der Gegenfahrbahn ist insbesondere für Fahrradfahrer bedrohlich, da sie keine Schutzhülle aus Blech besitzen. Neben der bereits geschilderten Variante des Etwas-Platz-Machens-und-Langsam-Fahrens gibt es noch die folgenden von mir erlebten Varianten des Besetzens der Gegenfahrbahn von Autofahrerinnen: Man macht etwas Platz, aber fährt nicht langsamer. Man fährt mit gleichem Tempo weiter und macht keinen Platz. Man fährt mit gleichem Tempo weiter und hält dabei für einen kurzen Moment auf den Radfahrer zu. In all diesen Varianten wird übersehen, dass Radfahrerinnen in diesen Situationen so nah an die am rechten Straßenrand auf dem Bordstein parkenden Fahrzeuge heranfahren müssen, dass sie den Sicherheitsabstand von 1m zu diesen nicht mehr einhalten können und die Dooring-Gefahr besteht.
- Meine geschilderten Erfahrungen beschreiben durchweg Verkehrssituationen zu Zeiten mit wenig Verkehr. In den Stressphasen mit Berufsverkehr und zum Schulbeginn und -ende kann ich wegen des Meidens dieser Straße mit Verkehrsmitteln „nur“ auf Erfahrungen als beobachtender Fußgänger zurückgreifen. Ich erinnere mich an sehr verfahrene Verkehrssituationen insbesondere kurz vor Schulbeginn oder nach dem Schulschluss, in denen auch immer wieder der Fußweg auf Höhe der Albert-Schweitzer-Schule zur Ausweichfahrbahn für SUVs wird und Stausituationen, in denen sich Autofahrerinnen auf die Turnhalleneinfahrt der Schule begeben, um für andere Autos Platz zu machen. Dabei versperren sie regelmäßig Schülerinnen den Fußweg, die dann um das Auto herumzulaufen versuchen und dabei teilweise auch die Fahrbahn betreten. Diese wirklich gefährlichen Verkehrssituationen sind aktuell unvermeidbar, da die Fahrspur der Stübeheide auf der Seite der Müllcontainer in der Regel vom Kreisverkehr bis zum Kornweg komplett zugeparkt ist und ab der Höhe der Turnhalle die andere Fahrspur. Durch den Umbau der Stübeheide zu einer Fahrradstraße wird diese aktuell unzumutbare Verkehrssituation komplett verändert, da das geplante Fahrradstraßen-Konzept durchgängig zwei freie Fahrspuren garantiert und entgegenkommende Autofahrerinnen das Einquetschen von Fahrradfahrerinnen vermeiden können.
- Zusammengefasst: Die von Umbaugegnern laut klein-borstel.de vorgebrachte Behauptung, dass die aktuelle Verkehrssituation in der Stübeheide funktioniere, gilt nur auf der Basis der Missachtung geltender Verkehrsregeln, die sich offensichtlich bei einem Teil der Anwohnerschaft eingeprägt hat.
- Die von Umbaugegnern vorgebrachte Behauptung, dass die Parksituation in der Stübeheide und auch in weiteren umliegenden Straßen Klein Borstels angespannt ist, stimmt. Allerdings ist dies vor allem ein Effekt der Gentrifizierung und der Wohlstandsmehrung des Stadtteils, die dazu geführt hat, dass in den letzten 17 Jahren, in denen ich durchgängig in Klein Borstel gewohnt habe, die Anzahl der Kraftfahrzeuge, die auf öffentlichen Straßen herumstehen, deutlich zugenommen hat, ohne dass die Einwohnerinnen entsprechende Parkmöglichkeiten auf ihren Grundstücken geschaffen haben. Warum eigentlich nicht? Ich habe die Erwartung und pflege übrigens mit meiner Familie auch die Praxis, alle unsere Fahrzeuge auf unserem nicht sehr großen Grundstück abzustellen. Würden dies alle Einwohnerinnen in Klein Borstel so machen, gäbe es keine zugeparkten Straßen in Klein Borstel. Es scheint aber hier in Klein Borstel, einem wohlhabenden Stadtteil, aber eine Gruppe Menschen zu geben, die sich gerne ein Auto und vielleicht noch ein zweites leisten, aber keinen Stellplatz auf dem eigenen Grundstück. Stattdessen fordern sie, die Stadt müsse für sie Stellplätze gratis bereitstellen. Diese Denkweise – je mehr Autos ich besitze, desto mehr Parkplätze muss die Stadt mir gratis zur Verfügung stellen – halte ich für hochproblematisch. Dem könnte man entgegensetzen: Bürgerinnen mit unserem Vermögen müssen der Stadt nicht auf der Tasche liegen und sollten den Großmut haben, die Stadt nicht mit den eigenen Luxussorgen zu belasten. Wer es wie ich gewohnt ist, regelmäßig mit dem Fahrrad durch Hamburg zu fahren und oft auch auf echten Fahrradstraßen, weiß, dass diese nicht nur sicheres und entspanntes Fahrradfahren ermöglichen. Sie sorgen für Ruhe und eine neue Wohnqualität, in denen nicht überall herumstehende Autos das Straßenbild prägen. Auch dies sollten die Anwohnerinnen der Stübeheide und wir alle hier in Klein-Borstel bedenken. Was für einige wie ein Schritt zurück wirkt, ist vielleicht doch eher für uns alle ein Schritt voran und eine Aufwertung unseres schönen Stadtteils.
